In der L.A. Times geht Steve Zeitchik der Frage nach, wie sehr der 3-D Boom das Drehbuchschreiben beeinflusst. Das Szenario, das er da ausmalt, halte ich für ein wenig übertrieben. Da heißt es beispielsweise:
While [many directors and writers] express a general enthusiasm for the form, they say executives don’t always grasp all the complexities of adding that extra dimension. As the 3-D storm continues to gather, they point out that 3-D will affect much more than whether a filmgoer picks up a pair of glasses: It will change what films get made, and even the very nature of cinematic storytelling. (Deutsch: [Viele Regisseure und Autoren] sind zwar im allgemeinen begeistert über das Format, sagen aber auch, dass die Studiobosse nicht ganz verstanden hätten, mit welchen Schwierigkeiten die Erweiterung um die dritte Dimension verbunden ist. Während der 3-D Sturm immer mehr Fahrt aufnimmt, weisen sie darauf hin, dass 3-D weitaus mehr nach sich zieht, als dass die Kinogänger eine Brille aufsetzen müssten: 3-D würde die Art und Weise verändern, wie Filme gemacht werden, und sogar den Kern des filmischen Geschichtenerzählens.)
Sicherlich werden in Hollywood vermehrt Produktionen auf den Weg gebracht, die sich auch als 3-D Fassung gut machen, aber der Kern filmischen Erzählens wird sich dadurch nicht gravierend verändern, genauso wenig wie sich durch den Farbfilm oder 70mm Cinemascope das Geschichtenerzählen verändert hat. Es ist vielmehr eine Frage der Genre-Wahl, und wenn sich Hollywood nur auf das Spektakel-3-D-Kino beschränkt, dann sind Autoren natürlich auch gefordert, für das Spektakel zu schreiben. Früher oder später wird der Zeitpunkt kommen, ab dem es nicht mehr nur darum geht, Dinge aus der Leinwand heraustreten zu lassen. Denn es lassen sich auch kleine Geschichten mit 3-D als gestalterisches Mittel von Inszenierung, Kamera und Schnitt umsetzen. Und das wird für den Autor zunächst mal keine große Rolle spielen. Figuren und der Plot werden schließlich nicht besser, wenn man auf 3-D-Momente hin schreibt.
Ich kann nur John August’s Kommentar dazu unterstreichen
I’m currently writing a film which is designed to be black-and-white and 3-D. Reading the script, you’d never know it. (Deutsch: Ich schreibe zurzeit einen Film, der schwarz-weiß und 3-D sein wird. Wenn man das Drehbuch liest, würde man das nie erahnen.)
Ich jedenfalls bin gespannt auf die ersten 3-D Filme, die nicht dem Spektakel-Kino zuzuordnen sind. Auch AMERICAN BACKROOM ist alternativer Inhalt für 3-D Kinos, und ich bin sicher, bis dahin wird noch der ein oder andere unerwartete 3-D Film den Weg auf die Leinwand finden. Man muss nur dafür offen sein. Unsere Meinung zu den Möglichkeiten von 3-D am Beispiel Dokumentarfilm haben wir hier bereits ausführlich erörtert. Steve Zeitchik schlägt mit seinem L.A.Times-Artikel eher in die 3-D Skeptiker-Ecke. Bezeichnenderweise endet sein Text auch mit dem Zitat
I don’t want to watch “Precious” in 3-D. (Deutsch: I möchte “Precious” nicht in 3-D sehen.)
Beabsichtigt oder auch nicht, es steht herrlich konträr zu Martin Scorseses Meinung über 3-D. Der sagte nämlich: “Why couldn’t a film like Precious be in 3-D? It should be.” (Deutsch: Warum kann nicht auch ein Film wie “Precious” in 3-D sein. Er sollte es sein!)
Was denkt ihr?









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