Monthly Archive for April, 2010

Schreiben für 3-D

In der L.A. Times geht Steve Zeitchik der Frage nach, wie sehr der 3-D Boom das Drehbuchschreiben beeinflusst. Das Szenario, das er da ausmalt, halte ich für ein wenig übertrieben. Da heißt es beispielsweise:

While [many directors and writers] express a general enthusiasm for the form, they say executives don’t always grasp all the complexities of adding that extra dimension. As the 3-D storm continues to gather, they point out that 3-D will affect much more than whether a filmgoer picks up a pair of glasses: It will change what films get made, and even the very nature of cinematic storytelling. (Deutsch: [Viele Regisseure und Autoren] sind zwar im allgemeinen begeistert über das Format, sagen aber auch, dass die Studiobosse nicht ganz verstanden hätten, mit welchen Schwierigkeiten die Erweiterung um die dritte Dimension verbunden ist. Während der 3-D Sturm immer mehr Fahrt aufnimmt, weisen sie darauf hin, dass 3-D weitaus mehr nach sich zieht, als dass die Kinogänger eine Brille aufsetzen müssten: 3-D würde die Art und Weise verändern, wie Filme gemacht werden, und sogar den Kern des filmischen Geschichtenerzählens.)

Sicherlich werden in Hollywood vermehrt Produktionen auf den Weg gebracht, die sich auch als 3-D Fassung gut machen, aber der Kern filmischen Erzählens wird sich dadurch nicht gravierend verändern, genauso wenig wie sich durch den Farbfilm oder 70mm Cinemascope das Geschichtenerzählen verändert hat. Es ist vielmehr eine Frage der Genre-Wahl, und wenn sich Hollywood nur auf das Spektakel-3-D-Kino beschränkt, dann sind Autoren natürlich auch gefordert, für das Spektakel zu schreiben. Früher oder später wird der Zeitpunkt kommen, ab dem es nicht mehr nur darum geht, Dinge aus der Leinwand heraustreten zu lassen. Denn es lassen sich auch kleine Geschichten mit 3-D als gestalterisches Mittel von Inszenierung, Kamera und Schnitt umsetzen. Und das wird für den Autor zunächst mal keine große Rolle spielen. Figuren und der Plot werden schließlich nicht besser, wenn man auf 3-D-Momente hin schreibt.

Ich kann nur John August’s Kommentar dazu unterstreichen

I’m currently writing a film which is designed to be black-and-white and 3-D. Reading the script, you’d never know it. (Deutsch: Ich schreibe zurzeit einen Film, der schwarz-weiß und 3-D sein wird. Wenn man das Drehbuch liest, würde man das nie erahnen.)

Ich jedenfalls bin gespannt auf die ersten 3-D Filme, die nicht dem Spektakel-Kino zuzuordnen sind. Auch AMERICAN BACKROOM ist alternativer Inhalt für 3-D Kinos, und ich bin sicher, bis dahin wird noch der ein oder andere unerwartete 3-D Film den Weg auf die Leinwand finden. Man muss nur dafür offen sein. Unsere Meinung zu den Möglichkeiten von 3-D am Beispiel Dokumentarfilm haben wir hier bereits ausführlich erörtert. Steve Zeitchik schlägt mit seinem L.A.Times-Artikel eher in die 3-D Skeptiker-Ecke. Bezeichnenderweise endet sein Text auch mit dem Zitat

I don’t want to watch “Precious” in 3-D. (Deutsch: I möchte “Precious” nicht in 3-D sehen.)

Beabsichtigt oder auch nicht, es steht herrlich konträr zu Martin Scorseses Meinung über 3-D. Der sagte nämlich: “Why couldn’t a film like Precious be in 3-D? It should be.” (Deutsch: Warum kann nicht auch ein Film wie “Precious” in 3-D sein. Er sollte es sein!)

Was denkt ihr?


Happy Birthday, DigitaleLeinwand.de

Das Blog DigitaleLeinwand.de feiert Einjähriges und deshalb gratulieren wir an dieser Stelle und wünschen alles Gute! Seit zwölf Monaten beschäftigt sich DigitaleLeinwand.de mit Themen rund um die Digitalisierung des Kinos. 3-D Film ist dabei natürlich ein ganz wichtiges Stichwort und war sicher – ähnlich wie an den Kinokassen – einer der treibenden Faktoren hinter dem Blog. Denn was vor einem Jahr mit einem Beitrag über (wie treffend) Barack Obama und 3-D Brillen begonnen hat, hat sich zum wohl wichtigsten und meistgelesenen Blog im deutschsprachigen Raum entwickelt, das sich auf das digitale Kinozeitalter spezialisiert hat. Wer sich für diese Themen interessiert, kommt praktisch nicht an DigitaleLeinwand.de vorbei. Auch dazu darf man dem Betreiber Gerold Marks gratulieren.

Auch wir nutzen DigitaleLeinwand.de als tägliche Informationsquelle und freuen uns über den freundschaftlichen Kontakt, der sich inzwischen zu Gerold Marks entwickelt hat. Vielen Dank, Gerold, auch für den Zuspruch und die vielen netten Worte für unser Projekt THE AMERICAN BACKROOM. Auf die nächsten zwölf Monate.


Jack Ambridges Little Lands

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Zugegeben, Jack Ambrigdes Fotos sind in Großbritannien entstanden, nicht in den USA, aber weil wir die Tilt Shift-Technik – eben jenes Verfahren, das für den speziellen Miniatureffekt in seinen Bildern sorgt – stellenweise auch im Film AMERICAN BACKROOM einsetzen werden, lassen wir seine Bilder unter dem Stichwort Inspiration laufen und kleben sie uns hiermit ins Blog. Fantastische Arbeiten! Mehr davon in seinem Behance Portfolio…

Wir sind übrigens gerade dabei ein kleines Tilt Shift Testvideo, das wir während der Recherche vergangenen Herbst gedreht haben, fertigzustellen. Das wird vermutlich innerhalb der kommenden zehn Tage online gehen! Schaut doch einfach regelmäßig mal rein – oder tragt Euch hier in unseren Newsletter ein, dann erfahrt Ihr es als erstes!


D.I.Y. America – Webserie über die amerikanische Streetart-, Skate- und Hip-Hop-Szene

D.I.Y. America ist eine Internet Dokuserie von den Machern von Beautiful Losers, die sich mit US Subkultur auseinandersetzt und zwei Jahrzehnte Skateboarding, Graffiti, Punk, und Hip Hop umspannt. Mit Szenegrößen wie Ian MacKaye, Shepard Fairey, Kim Gordon, Thurston Moore, Glen Friedman und Tony Hawk.

Unten gibt’s den Trailer zur Serie, die mittlerweile elf Episoden kann man sich auf WK Entertainment anschauen.


On the Road: Übernachtungen

Wenn man – wie wir auf unserer Recherche vergangenen Herbst – mit schmalem Budget reist, strebt man in der Regel nach den günstigsten Übernachtungsmöglichkeiten. In unserem Fall hieß das: Die zahlreichen billigen Motel-Ketten, die sich durchs ganze Land ziehen. Unser Reisebudget war allerdings so schmal, dass wir selbst unter den Billigketten nicht frei wählen konnten, sondern gezwungen waren, das jeweils günstigste Angebot zu nehmen.

Unsere erste Nacht verbrachten wir in Newark, NJ, unweit des Flughafens. Wir landeten spät und konnten erst am nächsten Morgen unseren Mietwagen abholen. Das Hotel versprach einen Shuttle-Service vom Flughafen und so warteten wir nebst anderen Reisenden an der Shuttle-Bucht auf selbiges. Es war reger Betrieb, nagelneue Vans von Mariott bis Hilton, von Best Western bis Holiday Inn, jeweils in den Farben der Hotels lackiert, lieferten Reisende ab und gabelten Neue auf. Die Fahrer trugen Gepäckstücke und halfen beim Einladen. Wir warteten. Und langsam kamen Zweifel am Shuttle-Service auf.

Zu Unrecht, denn irgendwann bog ein alter Dodge Van in die Bucht, der eigentlich grau war, wäre er nicht so rostig gewesen. Der Van sah so verbeult aus, als würde er in seiner Freizeit an Monster Truck Shows teilnehmen – nicht als Monster, versteht sich. Es bestand jedoch kein Zweifel, in der Windschutzscheibe lag ein Zettel mit dem Aufdruck Howard Johnson Hotel. Das hatten wir gebucht. Es muss nicht eigens erwähnt werden, dass der Fahrer ausschließlich Fahrer, kein Gepäckträger war! Als ob wir noch eine Bestätigung benötigten, dass es tatsächlich der richtige Van war, suchten wir verstohlen nach anderen Reisenden, die zum Howard Johnson wollten. Wir blieben die Einzigen. Das Hotel selbst war dann allerdings völlig in Ordnung. Unser Zimmer lag in der Einflugschneise und an der Interstate, die nach Manhattan führte, aber wir waren zu müde, um überhaupt darüber nachzudenken.

Continue reading ‘On the Road: Übernachtungen’


Fotoserien: Slab City & Salton Sea

Tolle Fotoserie von Claire Martin über die Bewohner von Slab City (Wikipedia-Link), einer Community, die sich aus einem wilden Campingplatz in der Colorado Wüste im Südosten Kaliforniens gebildet hat.

Mindestens genauso tolle Bilder findet man in ihrem Album über die Salton Sea, dem größten See Kaliforniens, unweit von Slab City.

Am Rande von Slab City liegt auch der Salvation Mountain von Leonard Knight, den wir auch im Zuge unserer Recherche vergangenen Herbst besucht und in Bildern festgehalten haben:


Blogroll: Scot Stevenson erklärt die USA

Vorurteile aus dem Weg räumen, den Blick über den Tellerrand anregen und den Menschen ein anderes, weniger von Popkultur und Halbwissen geprägtes Amerikabild vermitteln – das ist auch eines der Ziele, das wir mit THE AMERICAN BACKROOM verfolgen. Der amerikanische Journalist und Wahl-Berliner Scot W. Stevenson hat sich Vergleichbares vorgenommen und setzt das auch äußerst erfolgreich in seinem tollen Blog USA Erklärt um. Unterhaltsam und fundiert räumt er Halbwahrheiten aus dem Weg und erklärt uramerikanische Zusammenhänge, die uns Deutschen oft nicht schlüssig erscheinen, geschweige denn bekannt sind. Seien es die Hintergründe des wirklichen nationalen Traumas der USA (Der Bürgerkrieg), der Aufbau des amerikanischen Polizeisystems oder seine Bemerkungen zur Todesstrafe – das alles verpackt er in lehrreiche, kurzweilige Texte, die sich oft an aktuellen Ereignissen aufhängen.

Daher uneingeschränkte Leseempfehlung: USA Erklärt

Auch gut: Stevensons Erklärung, warum er den Begriff “amerikanisch” dem Ausdruck “US-amerikanisch” vorzieht!


Mister & Missis.Sippi online schauen

Die dreiteilige TV-Doku “Mister & Missis.Sippi” von und mit Volker Strübing, die unser TV Tipp zu Ostern war, ist jetzt auch in der 3Sat Mediathek zu finden. Dreimal 45 unterhaltsame Minuten, die den Zuschauer mitnehmen auf eine Reise abseits des Bekannten und in so manches amerikanische Hinterzimmer blicken. Wer’s verpasst hat, hat jetzt noch einmal Gelegenheit dazu. Keine Ahnung, wie lange die Filme in der Mediathek bleiben, hoffentlich für länger…

Direktlinks zur Mediathek (öffnen in einem neuen Fenster):

Teil 1 – Von St. Louis nach Cairo
Teil 2 – Von Memphis nach Vicksburg
Teil 3 – Von Saint Francisville nach New Orleans


Neue Recherchefotos

Im AMERICAN BACKROOM Flickr Stream gibt es neues Bildmaterial aus dem verregneten Michigan und Ohio. Die Fotos entstanden während unserer Recherchereise im vergangenen Herbst. Viel Spaß beim Stöbern. Und nicht vergessen: Bei Flickr kann man auch kommentieren ;)


TV Tipp: Mister & Missis.Sippi

Der Schriftsteller, Dichter und Musiker Volker Strübing und die ZDF Moderatorin Patricia Schäfer fahren mit dem Floß den Mississippi runter. Von St. Louis nach New Orleans. Daraus haben sie eine Dokumentation gemacht. Tolle Idee! Der Trailer sieht sowas von nicht nach deutscher Einheitsfernsehreportagenkost aus und macht einfach richtig Laune einzuschalten. Heute abend, Ostersonntag und Ostermontag, jeweils 20:15 Uhr in 3sat. Ich bin dabei.


(Direktlink)