Zwei Tage USA und ich hab mich am Asphalt satt gesehen. Dass dieses Land eine Nation der Autofahrer ist, ist allgemein bekannt, doch was sich tatsächlich dahinter verbirgt und wie viel sich doch an den großen Straßen orientiert, die die Bundesstaaten durchziehen, wird mir erst wieder bewusst, nachdem wir uns von New York aus Richtung Süden gekämpft hatten. Jersey City. Philadelphia, Baltimore. Washington DC. Bevor wir uns in ländliche Gebiete begeben, wollen wir möglichst zügig diesen Städtegürtel hinter uns lassen. In einer schier endlosen PKW Kolonne rollen wir über die Interstates. Dabei kommt man sehr schnell zu der Erkenntnis, dass einem das Land auf diese Weise völlig fremd bleibt. Das ist nicht einfach nur so eine Verallgemeinerung, sondern Tatsache. Man kann praktisch die gesamten Vereinigten Staaten von vorne bis hinten durchqueren ohne überhaupt je etwas gesehen zu haben außer den immer gleichen Logos der Schnellimbisse, Motelketten und Superstores. Wie öde. Ab morgen ist Schluss damit, wir müssen runter von diesen anonymen Teeradern.
Einen kleinen Abstecher haben wir uns dennoch gegönnt: Kurz vor Trenton, NJ, am Delaware entlang Richtung Westen. Verlässt man die Interstates, dünnt sich augenblicklich der Verkehr aus und wir kurven durch die hereinbrechende Nacht, bis wir im Städtchen New Hope den Fluss nach Pennsylvania überqueren. New Hope begrüßt uns mit pittoresker Architektur, Antiquitätenläden und Cafés. Ob das allerdings das echte Amerika ist, wage ich zu bezweifeln. Offensichtlich lebt New Hope von der durchaus verkitschten Aufbereitung der Gründungszeit der Vereinigten Staaten und inszeniert sich als perfektes Idyll. Anstelle des üblichen WalMart oder Giant finden wir “nur” einen Bio-Superstore. Sieh an. Dennoch scheint New Hope kaum Gelegenheit zu bieten, einen Blick hinter die glatten Fassaden zu werfen. Es ist ohnehin schon dunkel und wir ziehen schnell weiter.

Nur wenige Meilen südlich stoßen wir auf einen Feuerwehreinsatz, der sich allerdings ebenfalls als Inszenierung entpuppt. Es ist das Kinderfest der Freiwilligen Feuerwehr, die noch um halb zehn Uhr abends für eine Horde von Kindern Rundfahrten mit dem Feuerwehr-Truck und Löschaktionen veranstaltet. An der Rückwand der Feuerwache hängt ein großes Banner des Kinofilms “Ladder 49″, und genau wie im Film ist auch auf dem Fest das Pathos der Glorifizierung von Feuerwehrmännern zu spüren. Wie zwei Außerirdische bewegen wir uns durch diese eingeschworene Gemeinschaft, die nicht nur die Männer an sich, sondern auch ihre Familien und womöglich den ganzen Ort mit einschließt. Hier kennt jeder jeden, keine Frage. Wenn es möglich wäre, würde sich das ganze Fest in Zeitlupe bewegen, damit die Heldwerdung perfekt wäre. So aber spielt sich die Zeitlupe wohl nur hinter den großen Kinderaugen ab, die ihre Helden in Uniform bewundern.
Es zieht uns zurück auf die Interstates. Nicht freiwillig, aber wir müssen Zeit wett machen. Es gibt bald mehr…
Zwei Tage USA und ich hab mich am Asphalt satt gesehen. Dass dieses Land eine Nation der Autofahrer ist, ist allgemein bekannt, doch was sich tatsächlich dahinter verbirgt und wie viel sich doch an den großen Straßen orientiert, die die Bundesstaaten durchziehen, wird mir erst wieder bewusst, nachdem wir uns von New York ...
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