Monthly Archive for September, 2009

GPS Logging: Angeheitert um die Häuser ziehen

Geht ja hier zu wie im Postamt. Der i-Blue 747 GPS Logger hat seinen Weg zu uns gefunden und wurde gleich mal auf Herz und Nieren geprüft. Das kleine Gerät zeichnet bis zu 150.000 GPS-Punkte auf. Je nach eingestelltem Aufzeichnungsintervall lässt sich damit praktisch ein ganzer Tag im Gelände loggen. Wer mit Bluetooth-fähigem Laptop oder Handy unterwegs ist, kann das Gerät außerdem als GPS-Empfänger zum Navigieren nutzen.

Software zum Konfigurieren und Auslesen der GPS-Daten liegt bei. Die ließ sich zwar erst beim dritten Versuch vernünftig installieren, so dass das Gerät auch erkannt wurde, aber dann ging die Konfiguration relativ leicht vonstatten. Für den Anfang will ich es mal mit einem Aufzeichnungsintervall von 1 Sekunde und allen 10 Metern versuchen. Und weil es ja darum geht, unsere Fotos mit GPS-Informationen zu versehen, hab ich mir gleich mal die Kamera und den Logger geschnappt und bin um den Block marschiert. Wichtig: Vorher die Uhrzeit der Kamera mit der Uhrzeit des Loggers abgleichen, denn die Synchronisation erfolgt später auf Zeitbasis.

Wieder zurück, lassen sich die Daten per Software auslesen und schon mal direkt in GoogleEarth anzeigen. Auf den ersten Blick würde ich sagen, ich hatte mehr als 2 Promille und wollte häufiger mit dem Kopf durch die Wand. Gut, wenn man es aus entsprechender Höhe betrachtet, fällt der Zickzack nicht weiter auf. Messgenauigkeit ist also noch verbesserungsfähig. Wie sieht’s aber mit der Fotozuordnung aus. Verortung, wie das in der Fachsprache heißt – neuerdings eben Geo-Tagging.

Dafür reicht die mitgelieferte Software des i-Blue 747 allerdings nicht mehr aus. Also erstmal die GPS-Daten in eine Datei speichern. Die i-Blue-Software bietet dafür sowohl das Google-Format .kmz als auch das Format .nmea an. Letzteres soll es sein.

Für den Abgleich mit den Bilddaten nutze ich die Freeware Copiks PhotoMapper. Das kleine Programm ist praktisch selbsterklärend: Mit “Import GPS Data” lade ich die .nmea-Datei, die mir den Pfad umgehend auf der Karte anzeigt. Mit “Import Images” noch die ausgewählten Bilder öffnen, und auch hier erfüllt die Software umgehend und ganz von selbst ihre Aufgabe und ordnet jedem Bild einen Längen- und Breitengrad zu. Das war einfach. Jetzt noch alle Bilder auswählen und als .kmz-Datei exportieren.

Die lässt sich in GoogleEarth öffnen… et voila, meine verorteten Bilder. Und gar nicht mal so schlecht, sitzen fast alle an der richtigen Stelle. Noch den Zickzack-Pfad ausblenden, dann fällt die Messungenauigkeit auch nicht weiter auf. Hooray! Wer das Ergebnis selbst mal bewundern möchte, kann sich das .kmz-File hier laden.

PS.: Den Logger haben wir für knapp 20 Euro über Ebay erstanden.


Noch mehr verlassene Einkaufszentren

Spiegel Online/einestages schreibt über den Untergang der amerikanischen Shopping Mall-Kultur und dokumentiert den Verfall der Einkaufszentren mit einer Reihe von Fotos, von denen das da oben noch das spannendste ist. Der Text ist aber durchaus lesenswert und erzählt von “Mall Archäologen”, die ihre Erkundungstouren und Eindrücke in den einsamen Gängen und Hallen der großen Einkaufscenter auf Seiten wie deadmalls.com festhalten:

Was er sah, als er sie zum ersten Mal betrat, verschlug ihm den Atem: Zentimeter für Zentimeter hatte die Natur die Substanz zersetzt, der sie einst weichen musste. Bäume hatten sich durch den Boden aus Linoleum gedrückt, ihre Kronen rissen Löcher ins Dach – ein Wald im Innern einer toten Mall. Das Spiel aus Licht und Schatten malte bizarre Muster auf die zerrissenen Wände. Aus den Fugen wuchsen Gräser, in anderen moderte es, weil kein Licht hierher fand. Rowell installierte seine Kamera, und wenig später wuchsen die Bilder selbst zu einem Kunstwerk zusammen, sie hielten die Zersetzung in Zeitlupe fest. “In dieser toten Mall steckt mehr Leben als in mancher noch existierenden”, sagt Rowell über seine Arbeit. Und nannte sie: “The best Dead Mall in America”.

Zum Bildergucken empfehle ich dann aber doch die Fotoserie “Dark Stores” von Brian Ullrich, über die ich erst neulich hier geschrieben habe.


Tonaufzeichnung mit der Canon 5D MarkII

Lange haben wir nach einer vernünftigen Tonlösung für die Arbeit mit der Canon 5D Mark II gesucht. Die Kamera selbst bietet zwar einen Eingang für ein externes Mikrofon, aber keine Möglichkeit, den Eingangspegel automatisch zu regeln geschweige denn diesen überhaupt zu überwachen (nur mit nicht-offizieller Beta-Firmware, die wollten wir bei unserem Leihgerät aber besser nicht aufspielen). Nachdem wir uns durch diverse Online-Foren und Blogs gegraben haben, fiel unsere Entscheidung auf den mobilen Audiorecorder H4n von ZOOM. Dankenswerterweise wird uns ein Gerät von der Firma Sound Service GmbH für unsere Reise zur Verfügung gestellt.

Auch wenn der Audiorecorder bereits über ein hochwertiges eingebautes Stereomikrofon verfügt, war uns vor allem wichtig, dass er für eine externe Mikrofonlösung einen XLR-Anschluss bietet. Die Aufzeichnung erfolgt auf SD-Karte und wahlweise in den Formaten WAV oder MP3. Heute ist das Gerät bei uns eingetroffen, wie es sich tatsächlich in der Handhabung machen wird, werden die kommenden Wochen zeigen. Es macht zumindest schonmal einen überzeugenden ersten Eindruck, ist vor allem handlich, leicht und die Bedienung ist geradezu selbsterklärend.

Die ersten Eindrücke in Bildern:

Ausschlaggebend für die Entscheidung für den ZOOM H4n waren vor allem die Tests, die P3Pictures mit verschiedenen Audiolösungen in Kombination mit der 5D MkII durchgeführt hat. Hier ist das Video mit ihrem Fazit, wer sich mehr mit der Materie befassen möchte, findet Links zu den einzelnen Testvideos im Anschluss:


(vimeolink)

P3Pictures’ “Canon 5D Mark II Audio Exposed” auf vimeo.com:
Teil 1: Geangelter Ton
Teil 2: An der Kamera befestigte Mikrofone
Teil 3: Funk-Ansteckmikros
Teil 4: Geräuschemachen
Teil 5: Rauschverhalten


Sehr geehrte(r) Herr und Frau Alamo

…heute haben wir endlich einen Mietwagen gebucht. Nach langer Suche fiel die Entscheidung zu Ihren Gunsten. Ihr Angebot blieb einfach ungeschlagen. Ist gar nicht mal so leicht, einen Wagen für 61 Tage zu mieten, wie wir feststellen mussten. Von daher schonmal: Toll, dass das bei Ihnen möglich ist. Ein Intermediate SUV wird es werden, zum sagenhaften Preis von knappen 1.300 Euro inkl. aller Versicherungen und Zusatzfahrer! Gut gemacht, Herr und Frau Alamo.

Aber das ist nicht alles, weshalb ich Ihnen schreibe – und Sie ahnen sicher schon, dass ich auch ein wenig was zu meckern habe.

Reden wir doch mal von den Alamo-Büros in New York und ihren Öffnungszeiten. Es ist mir unerklärlich, weshalb Alamo an den New Yorker Flughäfen keine Anmietstationen betreibt. Wissen Sie, wir landen ja an sich gar nicht in New York, sondern auf dem Newark Liberty International Airport auf der anderen Seite des Hudson . Mag sein, dass Alamo auf eine Anmietstation in Newark verzichten kann, aber was ist mit JFK oder LaGuardia? Nichts. Kein Alamo weit und breit. Wie wären ja sogar bereit gewesen, einmal durch die halbe Stadt zu fahren, um einen Mietwagen am JFK entgegenzunehmen. Nada.

Aber in Manhattan: Da mussten es gleich sechs Büros sein! Tummeln sich auch noch fast alle in derselben Ecke. Erklären Sie mir doch mal, welche Strategie dahinter steckt. Oder war nach den hohen Mieten in Manhattan einfach nicht mehr genug übrig, um auch noch die Flughäfen auszustatten?

Ich weiß, was Sie jetzt denken: Na umso besser, dann brauchen wir ja nicht von Newark bis zum JFK zu fahren.

Tja, schön wär’s. Es kommt nämlich noch schlimmer. Wir landen in Newark kurz nach 21 Uhr. Da haben Ihre Stationen in Manhattan schon seit drei Stunden geschlossen! Nicht nur, dass Sie keine Flughafenstationen in und um New York betrieben, nein, auch die Öffnungszeiten in Manhattan sind äußerst kontraproduktiv! Werkstags bis 18 Uhr und samstags bis 14:45 Uhr! In New York City. Im Big Apple! Metropolis! Gotham City! N-E-W Y-O-R-K, die Stadt, die niemals schläft, verdammt und zugenäht! Wir reden ja noch nicht einmal von Boise, Idaho, und selbst dort hat das Alamo-Büro bis Neune am Abend geöffnet. Während ich schon an weitaus kleineren Flughäfen nachts um Eins meinen Alamo Mietwagen abholen konnte…

Aber in New York braucht’s wieder ‘ne Extrawurst. Was soll man dazu noch sagen? Jetzt müssen wir uns ein billiges Flughafen-Motel nehmen und uns bei Tagesanbruch aufmachen, um in Manhattan in unseren Mietwagen steigen zu dürfen. Finally.

Aber wenn ich mir den Preis anschaue, den wir dafür bezahlen, kann ich mich eigentlich gar nicht mehr so sehr über sie ärgern, Herr und Frau Alamo.

Mit freundlichen Grüßen
THE AMERICAN BACKROOM


Neue Weggefährten: Navigon 4310 und GPS Logger

Ui. Wir haben mal wieder Post bekommen. Die Reisevorbereitungen liegen in den letzten Zügen und es ist fast schon wie Weihnachten: Fast täglich trudeln irgendwelche Päckchen bei uns ein. Damit wir uns in den Staaten auch nicht verfahren, haben wir ab jetzt ein Navigon 4310 max, das uns die Firma Navigon freundlicherweise zur Verfügung stellt. Das 4310 max kommt zwar normalerweise nur mit europäischen Karten, aber für uns hat man dann doch eine Ausnahme gemacht :)

Man beachte den kleinen Aufkleber links unten… Ob wir damit wohl geheime Zufahrtswege zur Area 51 finden? (Klick zum Vergrößern)

Und wo wir schon bei GPS, Navigation und Geodaten sind: Damit wir die Fotos, die wir schießen, auch vernünftig taggen können, haben wir über ein allseits bekanntes Internetauktionshaus einen i-Blue 747 GPS Logger ersteigert. Für knappe 30 Euro. Mit dem i-Blue lassen sich Routen und Geodaten aufzeichnen, die man dann wohl per Software mit den in digitalen Fotos gespeicherten EXIF-Daten synchronisieren kann. Na mal sehen, ob und wie das so klappt. Erfahrungsbericht folgt, sobald auch dieses Gadget bei uns gelandet ist… Ich sag ja, wie Weihnachten.


Farbfotos aus Vintage America

Ich klicke mich schon den ganzen Morgen durch die Farbfotos, die Charles Cushman in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts auf seinen Reisen quer durch die USA geschossen hat. Cushman hat alles mögliche festgehalten, aber vor allem Alltagsmomente und Street Life in den vierziger und fünfziger Jahren. Wahnsinn, kann mich gar nicht sattsehen. Das da oben ist San Francisco 1962, der Blick vom Fairmont Hotel aus nach Nordosten. Unten: Halloween ’52 in Central City, CO (l.) und Chicago, IL, 1945:

Die gesamte Cushman-Sammlung, die Fotos aus der ganzen Welt enthält, kann man dank der Indiana University online durchstöbern, einschließlich aller 11.374 Bilder, die es allein aus den USA gibt!

Weed, CA, 1954 (l.) und New York City, 1941:

Virginia City, NV und Los Angeles, CA, 1952:

(Zum Vergrößern die Bilder anklicken)


Planänderung

CC: bdunnette

Also wir haben einen Flug nach New York und zurück gebucht, der auf dem Hinflug einen Zwischenstopp mit Flugzeugwechsel in Washington, DC, vorsieht. Na super, dachten wir uns, steigen wir doch gleich ganz in Washington aus und machen uns auf den Weg gen Westen. Nicht mit uns, dachte sich die Airline. Und nachdem wir mit jeder Hotline in praktisch jedem Winkel dieser Erde verbunden waren, lautet das endgültige Wort: Nein! Sie lassen uns nicht aussteigen, ohne dass sie dadurch auch unseren Rückflug von New York nach Frankfurt stornieren müssen!

United zerstört anscheinend nicht nur Gitarren, sondern auch unsere akribisch geplante Reiseroute :)

Naja, nehmen wir also den Flug nach Newark, NJ. Kein großer Umstand, könnte man meinen, kostet uns gerade mal eine Nacht (und weitere 400 km). Aber mit Alex und seiner Flugangst heißt das auch, dass man ihn überzeugen muss, binnen zwei Stunden ein weiteres Flugzeug zu betreten, nicht erst binnen zwei Monaten.


19.412 19.842 Kilometer

(Link zur Großansicht bei Google Maps)

EDIT: Kaum drei Tage alt, schon geändert…

Unsere Recherchetour führt uns also gute 19.400 knappe 20.000 km im Zick-Zack-Verfahren einmal durch die Vereinigten Staaten und zurück. Was die Route angeht, ist sicher noch nicht das letzte Wort gesprochen, aber ein Anfang ist gemacht. Updates werden regelmäßig vorgenommen und – klare Sache – auch im Verlauf des Trips wird die Route live auf den tatsächlichen Stand gebracht. Man weiß ja schließlich nie, welche Geschichten oder Begegnungen einen wohin führen werden.

Los geht’s am 5. Oktober 2009 in Washington, DC Newark, NJ.
Zieleinlauf ist am 5. Dezember in New York City.

Danke für einige echt gute Tipps und Empfehlungen an die USA-Experten hier und hier… Wir sind natürlich nach wie vor offen für weitere Vorschläge.


Ein Paket für unsere Reise

Heute landete ein kleines Paket bei uns im Büro, auf das wir schon sehnlichst gewartet haben. Wir planen ja, unseren anstehenden Recherche-Trip zu nutzen, um auch bereits “Content” zu produzieren. Noch nicht für den Film an sich, sondern für die Veröffentlichung hier im Web. Begegnungen, Gespräche, Stimmungen, Gesichter und Geschichten wollen wir in Bild und Ton festhalten. Was es da mit dem Paket auf sich hat, erfahrt ihr nach dem Klick.

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Verlassene Einkaufszentren im Nordosten Amerikas

“Dark Stores” heißt die Gruselshow, die der Fotograph Brian Ulrich im Zuge der Wirtschaftskrise veranstaltet. Es ist der letzte Teil seiner Fotoreihe “Copia”, die er nach 9/11 begonnen hat und die sich kritisch mit der Konsumhaltung auseinandersetzt. Damals wurde die amerikanische Bevölkerung angeregt, die Wirtschaft durch die Einkaufszentren zu stärken – für Ulrich eine zweifelhafte Gleichsetzung von Konsum mit Patriotismus. Er zog los, um die nüchterne und glanzlose Welt der Malls und des Einzelhandels festzuhalten, allesamt tolle Fotoserien.

Mit “Dark Stores” schließlich hat er leer stehende und verlassene Einkaufszentren dokumentiert – nachts, wenn die ohnehin schon unheimliche Stille noch durch eine düstere Kälte verstärkt wird. In diesen Welten möchte ich nicht alleine zurückgelassen werden. Man hat bereits beim bloßen Anblick der Fotos das Gefühl, man kann noch irgendwie die Stimmen und Schritte der Menschen verhallen hören, die jene Orte einst lebendig gemacht haben.